Mein Weg in das Tutorenteam – Lisa Lederer

Zufall? Schicksal? Fügung? Eigentlich auch egal 😉

Als mich mein beruflicher Werdegang im Laufe des aktuellen Schuljahres (2018/19) an die Montessorischule Kaufering führte, wusste ich zu Beginn noch nicht, dass sich zeitgleich in denselben Räumlichkeiten Kollegiaten begonnen hatten, quasi eigenständig auf ihr Abitur vorzubereiten.
Ich feiere es, wie gut das zusammenpasst, denn ich komme von einem staatlichen Gymnasium.

Zwischen Tür und Angel – oder war es im Lehrerzimmer?

Bevor ich so noch richtig an der Montessorischule eingestiegen bin, wurde ich quasi zwischen Tür und Angel angesprochen, ob ich nicht Lust hätte zum Schulhalbjahr das Mathe-Tutorium zu übernehmen. Ohne lange nachzudenken bzw. nachdenken zu müssen, war meine Entscheidung klar und meine Antwort eindeutig. Für mich kann es im schulischen Bereich nichts Wertvolleres geben, als Eigeninitiative von Lernenden, sie aktiv begleiten, unterstützen und so ein kleiner Teil ihres Prozesses werden zu können. Ganz nebenbei ist es sicherlich eine geniale Ergänzung (wohl eher ein eleganter Spagat) zu meiner Arbeit in der Grundstufe und ein wunderbarer Zufall, dass ich die letzten fünf Jahre an einem Gymnasium verbracht habe und diese Erfahrung jetzt hier direkt einbringen kann.

Der Elternabend

Ein Elternabend (ich glaube im Januar) hat mich dann endgültig von „diesen Kollegiaten“ und dem gesamten Team überwältigt:

  • Junge Erwachsene, die absolut begeistert von ihrer Gruppe und dem gemeinsamen Lernen schwärmen, die unglaublich dankbar sind für diese Möglichkeit und die Arbeit der Tutoren/Mentoren und das zudem mit einer wahnsinnigen Selbstbestimmtheit vermitteln;
  • Ihre Eltern, die stolz auf den Mut und die Eigenständigkeit ihrer Sprösslinge und vom Konzept überzeugt sind, da die Erfahrungen, die ihre Kinder in den nächsten drei Jahren sammeln werden, am Ende außerordentlich wertvolle sein werden;
  • Meine zukünftigen KollegInnen, die sich aus sympathischen, engagierten und motivierten Tutoren und Mentoren zusammensetzen;
    Ich kann mich nicht erinnern, dass mich eine ca. zwei stündige „Veranstaltung“ jemals so geflasht hat. Seit diesem Zusammensitzen bin ich mir endgültig sicher, dass ich dabei sein und ein Teil davon sein möchte. Es fühlt sich so unglaublich richtig für mich an.

Der Vertrag

Mein Vertrag macht das Konzept deutlich und erinnert mich daran, dass ich hier Tutorin und nicht Lehrerin bin. Das bedeutet, Abstandgewinnen vom Stoffvermitteln und Loslassen von der Verantwortung. Das klingt nach genau dem, was ich gesucht habe: entspanntes, motiviertes gemeinsames Arbeiten und Lernen als Team. Ein Zusammenspiel zwischen Tutorin und Kollegiaten auf Augenhöhe. Ich begleite den Weg, unterstütze bei Schwierigkeiten, kann Material zur Verfügung stellen, lasse mich auf die Bedürfnisse der Lernenden ein. Am Ende des Tages überlasse ich den Kollegiaten die Freiheit der Ausgestaltung ihres Lernprozesses (Selbstorganisation und Zeiteinteilung) und die eigene Verantwortung.

Die Zusammenarbeit

Seit dem Schulhalbjahr heißt es also immer wieder freitags: „Hallo Herausforderung schriftliche Mathe-Abiturprüfung 2021!“ Wir finden uns, stimmen uns aufeinander ein, lernen uns gegenseitig immer besser kennen, passen den (zeitlichen) Ablauf an, arbeiten gemeinsam am Ziel. Ich lerne wöchentlich, mich noch mehr auf die aktuellen Bedürfnisse der Kollegiaten einzustellen (und sie wahrscheinlich auch auf mich) und sie (hoffentlich) immer mehr Inhalte für die ABI-Prüfung. Sie dort abzuholen, wo sie in genau dem Moment gerade stehen, was sie brauchen und darauf einzugehen, ist meine Herausforderung. Keine Minute, die ich für diese Arbeit investiere, fühlt sich unnötig an; im Gegenteil: Dank des Mathe-Tutoriums am Freitag gehe ich jede Woche aufs Neue zufrieden und glücklich ins Wochenende. Die Arbeit fühlt sich richtig, richtig und richtig gut an.

Status-Quo

Ich habe unglaublich liebe, reflektierte und selbstbestimmte Jugendliche kennengelernt.
Ich freue mich unglaublich, dass ich meine Erfahrung, meine Einschätzungen und mein Engagement bei einem so tollen ‚Projekt‘ einbringen und ihnen so zur Seite stehen kann.
Gegen Ende des ersten Schuljahres können die Kollegiaten bereits richtig stolz sein. Sie haben den Mut aufgebracht, einen selbstbestimmten Weg zu gehen, der viel eigene Disziplin und Bereitschaft erfordert, haben sich selbst und ihren wöchentlichen Ablauf organisiert und „nebenbei“ auch bereits einiges an Abi-Stoff gelernt. In Mathe haben sie sich durch die komplette Kurvendiskussion gekämpft, Grundwissen aus der 10.Klasse ergänzt und so bereits einen Großteil der Analysis-Inhalte geschafft. Respekt!
Jetzt bin ich gespannt, welche neuen Persönlichkeiten sich entscheiden, sich mit uns auf den Weg zu machen, die wir dann im nächsten Schuljahr bei uns im Team begrüßen dürfen.